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Die Leichtigkeit des Seins


"Die Leichtigkeit des Seins"

Jetzt wird sich der ein oder andere denken: Was will uns solch eine Überschrift sagen? Ich werde das " Geheimnis" gleich lüften und nehme gleich vorweg, dass es nur meine ganz persönliche Meinung widerspiegelt an der ich euch teilhaben lassen möchte. Nach meinen Ausführungen werdet Ihr mich vielleicht verstehen und Wissen was ich damit sagen möchte. Ich habe und reite seit 38 Jahren Gangpferde und züchte schon fast ebenso lange. Anfangs mit zwei Stuten, ohne Hengst, was sich jedoch sehr flott ausweitete. Viele von Euch kennen das. Seit nunmehr mehreren Jahren, über einige Zwischenstopps und immer auf der Suche nach dem perfekten Tölt, kreuzten die Speed-Racking-Horses - oder wie ich später differenzieren lernte - "Singlefooter", unseren Weg. Diese Pferde haben uns, als Liebhaber eines natürlich veranlagten großen Gangpferdes, von Beginn an total begeistert und so importierten wir die ersten drei Stuten. Die Sucht, die folgte, ließ uns alle Hürden, die eine Etablierung dieser neuen Rasse im europäischen Zucht Geschehen nach sich zieht, vergessen.

Soweit diese kleine Einführung für alle diejenigen die - unsere und damit verbunden auch die Geschichte der Speed Racking Horses in Europa - noch nicht kennen Was hat das jetzt mit "der Leichtigkeit des Seins" zu tun? Nun, es geht ja erst los mit meiner Ausführung. Auf diesem Weg lernten wir sehr viele Menschen kennen. Trainer, Züchter, Händler, Trainerhändler ( ja auch die gibt es ) Funktionäre aber vor allem Züchter, von denen man lernte, mit denen man diskutierte und man vor allem über Zuchtrichtungen, Gangveranlagung, Linien und deren Stärken und Schwächen aber auch „Hidden Champions“, Zuchtgeschichte, Trainingsmethoden, Equipment, Insiderinformationen erfuhr. Jeder für sich - wie es sich als Züchter gehört - hat seine eigene Vorstellung der Perfektion des Ganges. Natürlich soll es spektakulär zugehen im Gang, der Bewegung und schnell muss es Ergebnisse liefern aber uns war das was wir sahen oft zu sehr "performt", zu sehr künstlich geschaffen und genau da, an diesem Punkt trennte sich die Zuchtszene in "Performer" ... oft Pacer gezüchtet und mit Gewicht trainiert und eben "Naturtalente" die mit Leichtigkeit den Singlefoot anbieten, jedoch oft den Verlust des Frontend nach sich zieht. Was wir und da sind Julia und ich uns vollkommen einig, nicht anstrebten, ist gezwungene, manipulierte Bewegung. Also muss man das suchen, was es so gut wie nicht gibt oder für die Pferde den Preis bezahlen der, nicht zuletzt durch die enorme Anfrage aus aller Welt, anfangs aus Israel, aufgerufen wird. Es ist eine Tatsache, daß man für Pferde, für die es ein sehr geringes Angebot gibt, tief in die Tasche greifen muss. Noch tiefer in die Tasche greifen muss man für Pferde, die gar nicht zum Verkauf stehen, die man aber für seine Zucht haben will. Denn jeder Züchter weiß natürlich welches Juwel er da im Stall hat. Das Problem, das sich daraus ergibt ist, das auch die Kommerzfraktion denkt es hätte diese Juwelen anzubieten und das macht die Unterscheidung für dich als Käufer nicht einfacher. Was man angeboten oder auf dem Markt erstehen kann ist, wie sich jeder denken kann oft, das was übrig bleibt und so muss man suchen, beobachten und auf das Warten, was man für die eigene Zuchtvorstellung braucht.


Wie fühlt es sich denn jetzt genau an, wenn Du auf einem Singlefooter sitzt? Wenn Du aufsteigst und den Zügel locker aufnimmst, dein Pferd so leicht wie eine Feder in der Hand ist, die Hinterhand untersetzt, jeden deiner Wünsche erfüllt als könnte es deine Gedanken lesen aber auch deine Fehler verzeiht, unerschrocken den Weg vor sich fixiert und dich sicher trägt in einem Rhythmus, der einem Metronom zu folgen scheint, dein Oberschenkel nur noch locker auf das Sattelblatt wippt, weil du nicht mehr reitest, sondern mit dem Pferd zu einer Einheit verschmilzt ...wenn es dann die vorderen Beine hebt, weil diese Schrittfrequenz und das Untersetzen der Hinterhufe Platz braucht aufzusetzen.... genau in den Momenten dieses "Singlefoots", erlebst du "die Leichtigkeit des Seins", die Perfektion des Rack, Tölt oder wie immer die Welt es auch nennt. Es sind die Momente in denen du alles um dich herum vergisst und die Glückshormone dein Blut sättigen, Freudetränen und die Tränen vom Gegenwind sich vermischen.... ein göttliches Gefühl... ja, die Götter ritten mit Sicherheit solche Pferde. Viele unserer Kunden, Besucher und Freunde haben es erlebt und gespürt. Es ist nicht die Geschwindigkeit...das Training, das Gewicht an den Beinen die diese Leichtigkeit hervorbringen... es ist die Gangmechanik, der Charakter und der Will-To-Please dieser Pferde, hervorgerufen durch Verpaarung bester Genetik für genau diesen einen Moment in dem das Pferd sein gesamtes Gewicht auf einen Vorderhuf stützt um im nächsten Moment die Hinterhand weit vorbei zu schieben ("Singlefoot"). Das funktioniert nur durch die enorme Kraft des "Motors" und nicht infolge eines Nachtippelns der hinteren Hufpaare oder den Modus in dem ein Pacer kurz den fotografischen Anschein erweckt, es sei ein Singlefoot.

Es ist die "Zucht" die solche Pferde schafft und es sind Züchter die anderen Menschen solche Erlebnisse, solche Pferde gönnen.

Warum schreibe ich das überhaupt...?

‌Weil zwei Dinge sich vollkommen voneinander entfernen: Das Eine, was man an der Bande durch die dargebotene Bewegung, das Vorhandstrampeln befeuert, das Pferd, welches jedoch durch einen anderen Reiter, außer seinem Trainer, wohl kaum reitbar ist (deshalb sieht man auch keine Richter auf diesen Pferden) und im Gegensatz das, wofür wir auf der anderen Seite brennen: Das Pferd welches man in seiner Freizeit wirklich reiten möchte und das durch Selektion und Zucht trotzdem Bewegung hervorbringt. Das ist letztendlich die Passion solcher Züchter, weit weg vom Kommerzgedanken.

‌Heute muss ich sagen, dass es nicht das Zuchtpapier ist, das mir sagt, es ist das ein oder andere Rassepferd das gleichbleibend in seiner Form gepresst bleibt und uns begeistert, sondern die Visionen einzelner Züchter, die Pferde hervorbringen die das Normale sprengen und neue Zuchtlinien entstehen lassen, gegen alle Hürden, wenn es sein muss. Weil nicht das Geld sie treibt, sondern die absolute Leidenschaft für das Pferd, die Vision der Perfektion.

‌Das ist auch der Grund weshalb Rassen untergehen ... weil diese Visionen abhanden kommen, geschlossene Zuchtbücher sie einschränken oder weil sie der Vergangenheit großer Züchter und brachialer Hengstnamen nachhängen, die sie krampfhaft zu erhalten versuchen wie wir es bei den per. Pasos erlebten.

‌Wenn ihr das nächste Mal an der Bande steht, öffnet eure Augen und erkennt was ist Zucht oder was ist gewichtsmanipuliert was den Gang macht... und seid euch bewusst, dass viele Züchter genau die Richtung einschlagen, was ihr befeuert und belohnt, dass dieser Freizeitpartner sonst öfter den Trainer trägt als Euch, wird oft erst später bewusst.

‌Aber denkt auch an das Pferd das der jeweiligen Zuchtrichtung, dem jeweiligen Hype unterliegt und die Wünsche des Kunden mittragen muss ♥️ [Artikel, Mario Pernice]


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