Unsere Oldtimer

 

An unserem Hof wird man nicht nur junge, kraftvolle Pferde sehen, die im vollen Saft des Lebens stehen. Hier stehen auch die Kranken und Alten, denn es gehört nicht zu unserer Philosophie, des guten Scheins wegen, diese schnell loszuwerden. Krankheit und Tod gehören beim Pferd ebenso zum Leben wie beim Menschen. Zu einer verantwortungsvollen Zucht gehört aus unserer Sicht daher auch die Investition dazu, Pferde, die Ihr Leben viel geleistet haben, einen schönen Lebensabend zu ermöglichen. Daher geben wir unseren Oldtimern hier einen Ehrenraum.

 

 
Barca, 24

Barca ist 1994 geboren und  kam 1995 als Einjährige zu Mario in die damalige Zucht mit seiner Frau: SMB. Als "Scheidungskind" ging sie 11-jährig ein Jahr zurück zu seiner Frau bis wir sie gemeinsam zurück kauften. In der Summe begleitet sie uns also nun schon fast 21 Jahre.

 

Als Jungstute war sie ein Wildfang. Immer wieder gerne erzählt, ist die Geschichte, in der sie Mario im nicht abreißenden Steigbügel meterweit hinter sich herschleifte. Mit Geduld, Arbeit und gelegentlich Strenge, entwickelte sie sich zu einem 100% Verlasspferd. Was sie allerdings nie ablegte, ist ihr jederzeit stolzes Auftreten.

 

Barca ist seit langer Zeit bei uns die unangefochtene Chefin einer zunächst ganz kleinen Herde von 4-5 Paso Peruanos und war und ist vor allem geliebtes Reitpferd als das sie viel gefordert wurde. Auf ausgiebigen Wanderritten für uns oder als "Schnupperpferd" für Gäste, war sie immer parat. Selbst den großen Mario trägt sie seit nun 18 Jahren mühelos und fleißig mit viel Freude am Laufen durch die Natur oder auch mich wie 2014 in der Leistungsprüfung, wo sie erstmals mit 20 ihre Leistungsbereitschaft auch öffentlich zeigte und als beste Stute mit 8,5 Punkten belohnt und zum "heimlichen Liebling" der Richterin wurde.

 

Obwohl Barca auch heute, 2016, keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigt, haben wir beschlossen, dass sie nach dem diesjährigen Fohlen in den züchterischen Ruhestand geht. Ihren (hoffentlich) krönenden Zuchtabschluss macht sie mit einem Fohlen aus Sol Peruano, auf das wir schon gespannt warten. Wir hoffen, dass dieses Fohlen ebenbürtig in ihre züchterischen Fußstapfen tritt.

 

Barca darf danach als Reitpferd, Leitstute und Müßiggänger ihr restliches Leben bei uns genießen. Wir hoffen, noch viele Jahre mit dieser wunderbaren Stute zu verbringen.

Unsere Wallache

Sol ist 1995 auf Rancho Florecita in Kalifornien, USA, geboren. Er wurde dort gezogen, trainiert und 18 Jahre lang als Vorzeigehengst des Gestüts züchterisch eingesetzt. Als Showpferd startete er früh seine Karriere und hat sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene alleine in 80 Shows in verschiedenen Distziplinen, u.a. Champion of Breeding Stallion, 1. und 2. Plätze belegt. Als Nationalchampion der USA gewann er unter anderem Stallions Gait, Champion Performance und Best Gaited Horse of Show.

 

Als Rancho Florecita sich zur Ruhe setzte, stand auch dieser wunderbare Hengst zum Verkauf.

 

2014 kam Sol zu uns. Als er aus dem Cargo Bereich des Flughafens trat, erwartete uns ein kleiner, müder aber widerborstiger Macho, den wir erstmal eine halbe Stunde im strömenden Regen überzeugen mussten, in unseren LKW einzusteigen. (Ich glaube ihn überzeugten letztlich eher die dezemberlichen, deutschen Temperaturen mit Wind und Regen bei seinem kalifornischem Sommerdress)

Nachdem er uns den ersten Tag mit seiner ruhigen, lieben Art täuschte, blühte er danach zu einem Wunder an Selbstbewusstsein auf. Kommt Jemand in seine Box, rennt er auf ihn zu bis auf wenige Zentimeter, Auge in Auge, und zieht einem am Pollover um zu sagen: "Hey, das ist mein Stall, hast Du eine Berechtigung hier zu sein?". Gegenüber Kindern war er jedoch vom ersten Moment der Liebste. Blieb liegen und ließ sich schmusen.

 

Ein Kuschelbär ist Sol anderen als Kindern gegenüber auch heute noch nicht aber wir haben schnell festgestellt, dass hinter seiner forschen Art ein grundehrlicher Charakter und ein ganz feinrittiges Pferd stecken, demgegenüber man trotz aller Show, jederzeit vollstes Vertrauen haben kann.

 

Sol hat uns für dieses Jahr 5 Fohlen "gemacht" und wir hoffen, dass er uns mindestens wie sein Vater, bis ins 29. Lebensjahr noch viele prächtige Fohlen und Reitspaß bringt.

 

Natürlich wird auch Sol seinen Lebensabend bei uns verbringen dürfen, wenn er zur Zucht und zum Reiten nicht mehr einsetzbar ist.

Sol Peruano, 23
 
Pizarro, 20

Pizarro ist das erste selbstgezogene Fohlen, damals noch unter dem Züchterkürzel SMB.

 

Pizarro war schon als Fohlen "cool" auf die Stirn geschrieben. Kinder durften, wenn er lag, auf ihm herumtollen und als Reitpferd ist er bis heute 100% zuverlässig. Er und sein heute 16-jähriger Bruder Colonel, der ebenfalls heute noch bei uns ist, wurden beide stattliche Wallache von 1,55 m mit unermüdlichem Gang. Zusammen mit Barca waren und sind die drei über viele Jahre unsere zuverlässigsten und vielgenutzten  Reitpferde gewesen.

 

Pizarro hatte schon immer schwierige Hufe, auf gut deutsch "Plattfüße", die zwar mit dem steigenden Alter zunehmend Zug auf die Sehnen brachten, Lahmheiten zeigte er dennoch nie und war immer Einsatzbereit. Es gab, je älter er wurde, aber immer wieder Phasen wo er uns nicht gefiel, hinten Muskulatur verlor und die Fesseln nachgaben. Zunächst befürchteten wir, dass er uns nicht bis ins hohe Alter erhalten bleiben würde, bis wir seine Hufbearbeitung umstellten. Seither hat er wieder einen schönen, runden Popo und steht wieder sehr stabil. Regelmäßige Ultraschalls haben auch bis heute keine Auffälligkeiten gezeigt, so dass wir frohen Mutes sind, ihn noch eine ganze Weile bei uns zu haben.

 

Pizarro liegt mir persönlich besonders am Herzen. Nachdem ich nach den ersten Kindern das Reiten quasi eingestellt hatte, kam ich durch ihn Ende Zwanzig wieder zum Reiten und lernte das erste Mal den "Pasollano" kennen und wie es sich anfühlt, mit dem Wind in den Haaren durch die Natur zu gleiten.  Dazu muss man sagen, dass Pizarro sicherlich einer der bequemsten Pasos ist, die ich bis heute geritten bin und einen taktklaren Tölt bis in richtig hohe Geschwindkeiten hält. Kein Wunder, dass ich der Rasse damals verfallen bin. Als Mario ihn mir als meinen ersten Paso in etwa 2006 schenkte, war die Paso-Sucht besiegelt.

 

Bei der einzigen Überlegung vor Jahren, ihn zu verkaufen,  während der ich Nächte lang in die Kissen weinte und die sich später zerschlug, bin ich heute heilfroh, dass auch unser Bub mit seinem Bruder bei uns geblieben ist und dass sie bei uns ihren Lebensabend verbringen.

 

Beide gehen auch heute noch mit uns und Gästen ihre Geländerritte, wenn wir für die "Alten" auch etwas weniger Zeit zum Reiten finden, da die junge Generation ran muss. In ihrer Freizeit spielen sie dann Fohlenonkel für die Junghengste und entdecken ihre eigene spielerische Ader wieder.

 

 

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