Initiative gesunder Paso Europa


Am 02.04.-03.04. trafen sich Paso Peruano Züchter aus Europa zur gemeinsamen Diskussion zum Gesundheitszustand des Paso Peruano und einer gemeinsamen Zusammenarbeit, um die Gesundheit der Pferde nachhaltig zu steigern. Eingeladen waren alle in der PPE (Paso Peruano Europa) vereinigten Züchter sowie der Vorstand des PCI (Paso Club International) . Als Teilnehmer erschienen am Vogelstockerhof in Eußerthal Züchter aus ganz Europa, die teils mehr als 2000 km Fahrt für dieses Treffen auf sich genommen hatten:

  • Stald Nordkap, Gitte Anarson (Dänemark)

  • Gut Kranichhof, Dr. Heike Großklaus (Deutschland)

  • Akademie Centauri, Carolina und Hans-Joachim Hoffmann (Deutschland)

  • Gitta und Annika Berg (Deutschland)

  • Pasozucht Neuhof, Daniela Friesicke Zimmermann (Schweiz)

  • Vogelstockerhof, Julia und Mario Pernice

  • Kristina Hack war angemeldet aber verhindert

  • Prof. Dr. Uta von Borstel / Matthias Maier, Uni Göttingen, verhindert

Das Treffen startete mit einem kurzen Rückblick. Im Mittelpunkt stand neben der allgemeinen Gesundheit und der Lebensdauer insbesondere das Thema DSLD*. Es erfolgte ein Überblick über die in Europa in etwa seit den 80ern bekannte Krankheit, die Forschung seitdem bis heute sowie den Umgang mit der Krankheit und der Zucht in der Vergangenheit. Es herrschte unter den Anwesenden Einigkeit, dass hinsichtlich

  • Aufklärung und Transparenz

  • Eigener Forschungsarbeit

  • Prävention

  • Zuchtstandards Qualität und Gesundheit

neue Wege eingeschlagen werden müssen, um die Krankheit zurückzudrängen als auch, um Interessenten der Rasse eine vollumfängliche Informationsquelle zu bieten. Daher war Ziel des Treffens, dass wir nicht nur zu den Themen diskutieren, sondern Ergebnisse erarbeiten werden, um alle präventiven Maßnahmen zu definieren, die nach heutigem Kenntnisstand eine Reduktion der DSLD Fälle und eine generelle Steigerung der Gesundheit bewirken können. Dazu gehört, einen generellen Maßstab in der Zucht zur Gesundheitssicherung zu etablieren.

[Der aktuelle Status der Europäischen Forschung ist, dass die Uni Göttingen Interesse an einer Forschungsarbeit hat. Prof. Dr. Uta König von Borstel hätte gerne an dem Treffen teilgenommen, fand jedoch kurzfristig keinen Ersatz für Ihren Landwirtschaftlichen Betrieb und die Vertretung erkrankte. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Initiative und Forschung findet statt]

Im Ergebnis wurde durch die Züchter die Initiative gesunder Paso Europa gegründet, die alleine das Ziel hat, Maßnahmen für die Gesundheit der Rasse und Rasse-Kreuzungen zu etablieren.

Folgender Maßnahmenplan wurde erarbeitet:

  1. Aufklärung und Transparenz

  • Generell wird ein offener Umgang bzgl. Krankheiten gepflegt und unterstützt

  • Die Initiative steht Ratsuchenden zur Seite, verschafft Informationen und klärt auf

  • Die Initiative will regelmäßige Seminare durchführen, in denen vermittelt werden soll, auf welche Kriterien beim Kauf geachtet werden sollte und wie ein gesunder, guter Paso Peruano auszusehen hat bzw. wie sein Gang auszusehen hat. Ziel ist es, den Käufer in die Lage zu versetzen, Gesundheit und Qualität bereits bei Kauf besser beurteilen zu können.

  • Ähnliches ist für Züchter / Jungzüchter angedacht

  1. Systematische Sammlung von kranken Tiere

Die mehrjährige Vorarbeit der systematischen Suche und Auswertung kranker Pferde zeigte auf dem Treffen deutlich, wie sich frühe Todesfälle und DSLD durch die Linien ziehen. Daher wurde das gemeinsame Fortführen der Datensammlung als eine Kernmaßnahme erkannt.

  • Es findet ein statt, so dass Transparenz über mit DSLD erkrankten Tieren oder aus sonstigen Gründen nicht zur Zucht geeigneten Tieren (z.B. zu lange / weiche Fesselung, hohe frühe Todeszahlen unter den Nachkommen etc.)geschaffen wird.

  • Es wird aktiv und passiv nach erkrankten Tieren gesucht: Das bedeutet, aktiv bezüglich der Linien der eingesetzten Zuchttiere als auch mittels Aufrufen an Halter, Tiere zu melden. Die Daten werden den teilnehmenden Züchter zugänglich gemacht, um eine sinnvolle Selektion der Zuchttiere nach Linien zu ermöglichen.

  • Es werden ebenso alle anderen Informationen wie Todesdaten und Ursachen gesammelt, um Klarheit zu schaffen,woran Paso Peruanos und ihre Kreuzungen sterben und wie lange sie leben. Wünschenswert ist die Mitwirkung der Verbände mit den entsprechenden Kontaktdaten von Haltern (insbesondere PPE, PCI und IGV), um eine Breite Mitwirkung alle Paso Halter zu erzielen. Hierfür sollen Gespräche stattfinden. Eine flächendeckende, auf Wunsch anonyme Umfrage, um die Anzahl der erkrankten Tiere zu ermitteln, wird auf der in Kürze erscheinenden Webseite veröffentlicht.

  • In einem zweiten Schritt, sollen auch Auskünfte an Halter erteilt werden.

  1. Nackenbandbiopsie am toten Pferd

  • Alle teilnehmenden Züchter nehmen die verpflichtende Nackenbandbiopsie auf Kosten des Züchters als Kaufbedingung in ihre Kaufverträge auf. Den Kaufverträgen werden als mitgeltende Dokumente ein Informationsblatt sowie ein Entnahmeprotokoll für die behandelnden Tierärzte beigelegt. Diese Dokumente werden bei der Initiative auch für andere Interessenten frei erhältlich sein. Hintergrund: Die Nackenbandbiopsie nach dem Tod ist aktuell die einzige sichere Diagnosemethode. Findet eine flächendeckende Untersuchung aller Paso Peruanos statt, so können auch ohne Test mittelfristig kranke und gesunde Linien identifiziert werden. Daher ist es auch besonders wichtig, dass die Untersuchung sowohl bei kranken als auch gesunden Tieren durchgeführt wird. Hierfür werden alle Züchter werben und es werden ebenfalls Gespräche hierzu mit den Verbänden gesucht werden.

  • Es werden insbesondere die Paso-Verbände angesprochen, 3% der Mitgliedsbeiträge bereitzustellen, um die Kosten für Halter, die diese nicht aufbringen können / wollen, zu übernehmen. (Kosten: Ca.70€)

  • Die Ergebnisse aus den Biopsien werden auch der Uni Göttingen zur Verfügung gestellt, sofern diese sie neben Blut und Haaren für die Forschung benötigt.

  1. Ultraschall am lebenden Tier

  • Der Ultraschall am lebenden Tier wurde hinsichtlich seiner Aussagekraft intensiv diskutiert. Nicht immer muss sich DSLD in Degenerationen der Fesseln zeigen, sondern manchmal finden sich die Degenerationen auch in Aorta, Augen etc. wieder. Da allein im Nackenband durch Biopsie nach Tod nahezu sicher DSLD diagnostiziert werden kann, wurde besprochen, Erfahrungen mit dem Schall des Nackenbandes zu sammeln. Ziel ist zum einen die Entnahme von Tieren mit Auffälligkeiten aus der Zucht bis weitere Untersuchungen den Verdacht entkräften oder bestätigen sowie in der Breite Erfahrungen zu sammeln, inwiefern sich der Schall des Nackenbandes als „Frühwarnsystem“ nutzen lässt. Ein sinnvoller Turnus wird gerade festgelegt und noch kommuniziert.

  • Bei der PPE / IGV Meisterschaft 2016 wird durch Dr. Heike Großklaus ein angeboten. [Rasierte Pferde werden insofern auf den beiden Meisterschaften nicht als „krank“, sondern als „untersucht“ zu identifizieren sein]. Hierfür werden noch Gespräche mit den Veranstaltern geführt werden müssen. Jedem Teilnehmer werden die Bilder auf CD nach der Untersuchung zur Verfügung gestellt. Ob die Untersuchung anonym oder öffentlich erfolgt, muss noch diskutiert werden.

  1. Zusammenarbeit Forschung

Die Uni Berlin hat leider kein weiteres Interesse an dem Thema gezeigt. Die Uni Göttingen mit Prof. Dr. Uta König von Borstel hat jedoch Interesse an einer Forschung. Geplant ist keine quantitative Studie, die ca. 1000 Pferde benötigt, sondern ein Abgleich genetischer Veränderungen anhand weniger Generationen. Die aktuell vorhandenen Forschungsergebnisse weltweit liegen der Professorin vor. Aktuell werden die Laborkosten geprüft, die durch Spenden finanziert werden müssen, wobei die Initiative unterstützen wird. Es werden Blut oder ersatzweise Langhaare mit Wurzeln benötigt, die bereits an diese Adresse zu ihren Händen verschickt werden können:

Prof. Dr. Uta König von Borstel Institut für Tierzucht und Haustiergenetik Georg August Universität Göttingen Albrecht- Thaer-Weg 3 37075 Göttingen

Folgende Infos werden benötigt:

Langhaar mit Haarwurzeln in einem luftdichten Tütchen oder besser Blutprobe mit folgenden Daten:

  • Lebensnummer

  • Pedigree

  • Name des Pferdes und letzter Eigentümer

  • Geschlecht

  • Zusammenfassung der Symptomatik / Diagnose

  • Alter bzw. Geburtsdatum

  • Für Rückfragen am Besten mit Kontaktdaten

Für Rückfragen am besten mit Kontaktdaten

  1. Selbstverpflichtung der an der Initiative teilnehmenden Züchter

Alle teilnehmenden Züchter werden die Maßnahmen und entstehenden Informationen einsetzen, um eine entsprechende Zuchtselektion durchzuführen. Die Initiative ist offen und lädt nach wie vor alle anderen Züchter ein, teilzunehmen.

  • Sie verpflichten sich, die zur Verfügung gestellten Informationen zu nutzen, um betroffene Pferde aus der Zucht zu nehmen und die Informationen um eigene Informationen zu ergänzen

  • Sie verpflichten sich, an den eigenen Tieren bei Tod Nackenbandbiopsien durchzuführen

  • Sie verpflichten sich, alle Zuchttiere in dem festgelegten Turnus am Nackenband zu schallen

  1. Erstellung einer Webseite

  • Die Webseite www.initiative-gesunder-paso-europa.com der Initiative gesunder Paso Europa befindet sich im Aufbau und wird in etwa zwei Wochen live gehen. Sie bietet eine Plattform, auf der alle Informationen zur Gesundheit und Krankheiten zusammengetragen, zur Verfügung gestellt werden, z.B.:

  • Neues zur Forschung von DSLD

  • Symptomatik, Behandlung etc.

  • Entnahme-/ Untersuchungsprotokolle (Nackenbandbiopsie / Schall) und Informationsblätter für Tierärzte

  • Umfragen

  • Seminare und Veranstaltungen

  • Ansprechpartner

Die Webseite wird kein statisches Informationsportal, sondern soll durch die Erlangung neuer Informationen und Kenntnisse stetig an Wissen wachsen. Dort werden unsere Maßnahmen und Aktionen zu finden sein und dazu eingeladen, sich aktiv an der Informationssammlung zu beteiligen bzw. sich der Initiative anzuschließen.

*DSLD / ESPA, Degenerative Suspensory Ligament Dismitis, ist eine systemische, degenerative Erkrankung des Bindegewebes, die sich oft in den Fesselträgern manifestiert. Sie betrifft nahezu alle Rassen wie Quarter, Warmblüter, Araber aber auch den Paso Peruano. Nach heutigem Kenntnisstand gilt eine Vererbung als gesichert und eine Genmutation wird als maßgeblicher Faktor vermutet. Mehr dazu in Kürze auf der Homepage.

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