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  • Julia Pernice

Der Pferdekauf

Eine kleine (wahre) Geschichte vorweg (Namen sind frei erfunden)

Anna wollte sich vor 6 Jahren ihren ersten Paso Peruano kaufen. Sie sah ein Video von einem tollen Wallach, der genau dem entsprach, was sie sich wünschte: Er hatte tolle Gänge, war scheinbar gut ausgebildet und die Idee, sich ihr Traumpferd aus den USA zu importieren begeisterte sie, trotz den durchaus stolzen Kosten. Der "Vermittler" war Jemand mit Rang und Namen, er schien sich perfekt auszukennen: Bei der Rasse und dem Zuchtgeschehen in den USA

Es schien also keine Risiken zu geben, ein unbesehenes Pferd aus den USA zu importieren. Kaum war das Pferd da, stellte sich heraus, dass es nicht ganz so einfach war wie angenommen. Das Pferd war offenbar scharf ausgebildet worden und hatte vor Dingen wie Halfter enorme Panik. Mehrere Jahre arbeitete sie mühsam daran, diese Erlebnisse wieder "auszubügeln". Als es die ersten Fortschritte gab, gab es plötzlich Probleme in den Fesseln. Nach nur wenigen Monaten musste der Wallach eingeschläfert werden.

In Europa ist die Rasse der Paso Peruanos (und Iberoamericano) eine exotische Rasse. Es gibt nur wenige Züchter und einen relativ kleinen Pool an Pferden. Gute, junge Pferde werden gelegentlich verkauft, ein gutes gerittenes Pferd ist jedoch sehr schwer zu bekommen. Dies ist auch sehr leicht zu erklären: Niemand verkauft freiwillig einen gerittenen Paso Peruano, der gesund ist. Gelegentlich ist von einem Züchter eine nicht mehr zur Zucht eingesetzte Stute zu verkaufen, bei gerittenen Wallachen wird es in der Regel noch schwieriger.

Verkauft werden häufig dann die Pferde (als vermeintliches Schnäppchen), die aus plötzlichen persönlichen Umständen abzugeben sind. Man kann dabei Glück haben, sollte trotz allem Enthusiasmus´ die Sache mit dem notwendigen Misstrauen prüfen.

Das gleiche gilt für die Frage eines Imports aus den USA oder Peru. Oft sind dabei Händler im Spiel, denen in erster Linie an einer möglichst großen Gewinnspanne gelegen ist. Haften tun sie für ein "mangelhaftes Pferd" später ohnehin nicht. Der eigentliche Verkäufer ist weit weg und schwer erreichbar. Oft laufen diese "Vermittlungen" so ab, dass emotionale, ästethische Videos vorgestellt werden, das Pferd wird meist nie live gesehen,der Verkäufer muss sich nicht den Käufer Fragen stellen, das Pferd wird aus dem "Katalog" als"Katze im Sack" gekauft.

Auch hier kann man durchaus Glück haben aber auch hier ist das notwendige Misstrauen angebracht.

Worauf achtet man also, wenn man seinen Paso kaufen will?

Es gibt 3 wesentliche Punkte, die man bei dem Kauf eines Paso Peruanos beachten sollte:

1. Blutlinien: Aus welchen Linien kommen die Pferde, geht der Verkäufer offen mit diesen Linien und Informationen über die Eltern um. Leben die Eltern noch? Wie alt sind sie geworden und woran sind sie ggf. gestorben? Wie sieht es mit den Geschwistern und ggf. Großeltern aus?

2. Vorgeschichte: Gab es anhaltende, unerklärliche Lahmheiten, Verletzungen o.ä.?

3. Pferd ansehen und folgende Fragen beantworten: Geht das Pferd sauber? Viele Paso-Neulinge tun sich schwer, das überhaupt zu beurteilen (zur Not Jemanden mit Erfahrung mitnehmen). Besondere Beachtung ist dem Hinterteil zu schenken: Geht das Pferd in der Kruppe ruhig oder "hoppelt" es? Geht es taktklar? Im Stand, im Schritt und im Pasollano zeigen lassen, um diese Fragen abschließend zu beantworten. Erscheint die Fesselung sehr weich? Sind die Fesseln sehr lang? Lange Fesseln bringen generell mehr Belastung auf die Sehnen als kürzere Fesseln. Von hinten beim Laufen beobachten: Wie ist der Bewegungsablauf der Hinterbeine? Fehlstellungen? Komme ich mit dem Pferd klar?

Warum beschäftigen wir uns mit dem Thema?

Durch die kleine Anzahl an Paso Peruanos in Europa, bekommt eine kleine Anzahl "schwarzer Schafe" schnell ein großes Gewicht. Der Verkauf aber auch Kauf, qualitativ schlechter Pferde wirft schnell ein schlechtes Bild auf die Rasse in ihrer Gesamtheit. Schlechte Erfahrungen sprechen sich rum und man macht die ganze Rasse dafür verantwortlich. Bis heute haben wir in Europa im großen und ganzen einen sehr gesunden Zuchtstock im Vergleich zu den USA und Peru, wo das Hauptgewicht auf schnellen Showergebnissen liegt und lag. In Europa hingegen ist der typische Paso-Halter ein Freizeitreiter, der sich ein Pferd als Partner auf Lebenszeit wünscht. Daher waren wir als Züchter in Europa von Beginn an gezwungen, auf Langlebigkeit zu achten. Der Import von häufig kurzlebigen Show-Linien macht sich bei der geringen Anzahl von PPs schnell sehr bemerkbar und leider ist es uns aufgefallen, dass seit einiger Zeit ein überproportional großer Anteil der Importpferde zu denen zählt, die früh sterben. Wir möchten hiermit neben der aktiven Arbeit an der Zuchtqualität (Forschung / Zuchtauswahl), auch den Käufern etwas an die Hand geben, wie sie mit ihrem Kauf zum eigenen Vorteil aber auch zum Vorteil der Rasse, die Anzahl gesunder Pferde in Europa steigern können.

Ein Pferd ist ein Tier

Natürlich bleibt ein Pferd ein lebendiges Wesen. Niemand kann voraussagen, ob ein Pferd gesund bleibt. Sei es wegen eines Unfalls oder Krankheiten. Es gibt aber wesentliche Fragen, die bei jedem Pferdekauf eine Rolle spielen sollten und die einem dabei sehr helfen, mögliche Risiken zu reduzieren. Die Frage nach dem Preis ist natürlich berechtigt, rückt aber leider immer mehr in den Vordergrund, ohne dabei zu beachten, dass in den allermeisten Fällen ein "billiges" Pferd, in wenigen Jahren preislich weit über den Kosten eines teureren liegt, wenn der Preis sich aus der Qualität erklärt. Eine Sicherheit für Gesundheit gibt es natürlich nie - egal bei welcher Rasse.

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